Aida Roumer und Djoko bei medico international

Widerstand – Drei Generationen antikolonialer Protest

Die Comicpräsentation „Widerstand – Drei Generationen antikolonialer Protest in Kamerun“, wurde jetzt auch in Frankfurt vorgestellt: im Rahmen des diesjährigen Africa Alive Festivals. Die Comic-Erzählungen rücken ein bislang wenig bekanntes Kapitel des kamerunischen Widerstands gegen koloniale Herrschaft in den Fokus kolonialer Erinnerungskultur.

Die Comicpräsentation „Widerstand – Drei Generationen antikolonialer Protest in Kamerun“, wurde jetzt auch in Frankfurt vorgestellt: im Rahmen des diesjährigen Africa Alive Festivals. Die Comic-Erzählungen überzeugen als ebenso informative wie eindrucksvolle formatübergreifende Projekte für politische Bildung. Die von der Initiative Perspektivwechsel e.V. in Berlin konzipierten und herausgebrachten Comic-Erzählungen rücken ein bislang wenig bekanntes Kapitel des kamerunischen Widerstands gegen die deutsche Kolonialherrschaft in den Fokus kolonialer Erinnerungskultur. Visuell umgesetzt haben die Geschichten kongenial die kamerunischem Künstler al Franky Mindja und Daniel Assako.

Besonders hervorzuheben ist die Auswahl der drei historischen Episoden, die ein facettenreiches Bild antikolonialen Widerstands über mehr als ein Jahrhundert hinweg zeichnen. Die erste Geschichte über König Rudolf Duala Manga Bell beleuchtet eindringlich den Widerstand gegen die rassistische Umsiedlungspolitik der deutschen Kolonialmacht in Douala zwischen 1910 und 1914. Sie zeigt nicht nur eine zentrale Figur des Widerstands, sondern macht auch die Brutalität der kolonialer Stadtplanung sichtbar.

Ebenso eindrucksvoll und für viele eine neue Erzählung, die hierzulande in keiner Weise rezipiert worden war, ist die Darstellung der Anlu-Rebellion (1958–1961). Tausende Frauen im Königreich Kom (West-Kamerun) nutzten das traditionelle Strafinstrument Anlu, um gegen aufgezwungene landwirtschaftliche Reformen, drohenden Landverkauf und Steuern zu protestieren. Diese Perspektive erweitert den Blick auf antikolonialen Widerstand um eine oft marginalisierte, weibliche Dimension.

Die dritte Geschichte führt schließlich in die Gegenwart: Seit 2013 setzt sich der Aktivist André Blaise Essama für die Dekolonisierung des öffentlichen Raums ein, indem er gegen die fortdauernde Präsenz kolonialer Denkmäler und Straßennamen in Kamerun protestiert.

Präsentiert wurden der Comic von Djoko – Aktivist, Rapper und politisch engagierter Pädagoge – sowie übersetzt und moderiert von Aïda Roumer, freiberufliche Bildungsreferentin und Campaignerin. Die anschließende Diskussion, die bei medico international stattfand, eröffnete Raum für kritische Fragen und vertiefte die Auseinandersetzung mit den Themen deutscher Kolonialismus, Erinnerungskultur und Widerstand.

Weitere Informationen über antikoloniale Bildungsprojekte finden sich auf der Homepage der Initiative Perspektivwechsel! Ganz neu ist neuen Lernplattform: Antikoloniale Visionen. Wie Bewegungen weltweit das Erbe des Deutschen Kolonialismus herausfordern – www.antikolvi.org