Träume zieht mein Herz

Seit der Ermordung Patrice Lumumbas wurde die Demokratische Republik Kongo von Diktatoren regiert und von Kleptokraten ausgeplündert. Muepu Muamba musste aus diesen Gründen das Land verlassen und versuchte, in vielen anderen Staaten Fuß zu fassen, bis er in Frankfurt am Main heimisch wurde. Cornelia Wilß zeichnet ein Porträt des Dichters anlässlich der Verleihung des Buchpreises der 11. Frankfurter Immigrationsbuchmesse.

Foto: Andreas Schmieg

Ein ganz besondere Geruch

Die Anthologie Schlüsselorte, herausgegeben von Fiston Mwanza Mujila, feierte ihre Premiere im August 2023 in Berlin. Der kongolesische Autor, der seit Jahren in Graz lebt und arbeitet, war Gast bei der fünften Ausgabe des African Book Festival stellte das Buch – unterstützt von Leila Aboulela, Niq Mhlongo und Abdelaziz Baraka Sakin, die Beiträge zu dem Band geliefert haben – in der Heinrich Böll Stiftung vor. Ich traf den Autor ein paar Monate später wieder beim Textland Festival 2023 mit dem Thema „Utopie oder die Realität von morgen“. Ein Portrait erschien in Faust-Kultur früher unter dem Titel Weltwortreisender.

Der neue gute Deutsche

Seit der Mitte der Achtziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts begleitet Filmautor Peter Heller einen afrikanischen Lehrer für Behinderte in bayerischer Provinz. Dieser Spross der Königsfamilie aus Duala entdeckt, enthüllt mit den Jahren immer tiefer und engagierter die Spuren der tragischen Geschichte von Unrecht an seinen Vorfahren. Und nimmt den Kampf gegen vergessenes Unrecht und für die Rehabilitierung des kamerunischen Nationalhelden Rudolf Duala Manga Bell auf.

Textland 6 – Utopie oder die Realität von morgen

Der das Textland Literaturfest 2023 begleitende Sammelband „Utopie oder die Realität von Morgen“ versammelt Lyrik, Prosa und Essays, die das Thema literarisch und performativ ergründen. Mit Beiträgen von Maryam Aras, Aleida Assmann, Lukas Bärfuss, Alexandru Bulucz, Ann Cotten, Ibou Coulibaly Diop & Cornelia Wilß, Milena Michiko Flašar, Theresia Enzensberger, Nora Gomringer, Riccarda Gleichauf, Leon Joskowitz, Klaus Kastberger, Meron Mendel, Hadija Haruna-Oelker & Max Czollek, Martin Piekar, Arnold Stadler, Ralph Tharayil, Deniz Utlu

africa alive

Vom 1. bis 27. Februar 2024 präsentiert die 30. Ausgabe des Festivals Africa Alive das Filmschaffen des afrikanischen Kontinents mit Spiel-, Dokumentar- und Kurzfilmen. Es werden sowohl aktuelle Produktionen als auch einige Filmklassiker gezeigt. Vortrag mit Diskussion, ein Kinderfest und ein Konzert statt. Eine kleine Präsentation im Kinofoyer des DFF zeigt Filmplakate aus 30 Jahren Festivalgeschichte.
Am 10. Februar um 15 Uhr ist der Historiker Dr. Amzat Boukari-Yabara aus Paris eingeladen, der zur Aktualität der Idee des Panafrikanismus in einer Neuausrichtung der internationalen Beziehungen Afrikas sprechen wird.

Weltwortreisender – Fiston Mwanza Mujila

Der Garten rufe das Glück ins Leben und gebe der Seele zeitlose Gefühle, sagt der kongolesische, in Österreich lebende Autor Fiston Mwanza Mujila. Cornelia Wilß beschreibt, wie er das Schriftliche aus der mündlichen Tradition entwickelt, afrikanische Erfahrungen mit europäischen Möglichkeiten verwandelt, Sprache befreit.

Verlust und Heilung

Es reicht nicht, in der Kolonialzeit gestohlene Kunst zurückzugeben. Es geht aber auch nicht um Schuld. Angestrebt ist eine Auseinandersetzung mit der Geschichte der kulturellen Verletzungen, der Kunst und den traditionellen Materialien, aus der heraus Neues entstehen kann. Cornelia Wilß führte mit der Kuratorin Dr. Mahret Ifeoma Kupka ein Gespräch über TALKING OBJECTS LAB, wuchernde Wunden, wiedergefundenes Wissen und Aussicht auf Heilung.

Im Bauch des Wales

Im Oktober 2021 erhielt die simbabwische Autorin und Filmemacherin Tsitsi Dangarembga in Frankfurt den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Mit dem Preis wurde eine Schriftstellerin geehrt, die die schwierige Emanzipation einer schwarzen Frau aus dem ländlichen Rhodesien erzählt und zugleich tief in die Kolonialgeschichte Simbabwes eintaucht.

Untie to Tie

Aïcha Diallo, Annika Niemann, Miriam Shabafrouz (Hrsg.):

In Lehrplänen und Schulbüchern werden gesellschaftliche Zusammenhänge sichtbar, zu denen auch Überbleibsel aus kolonialen Zeiten gehören. Auf welche Weise sich koloniale Kontinuitäten diskursiv, bild- und sprachpolitisch niederschlagen, untersuchen die Autor*innen dieses Sammelbandes aus Kunst, Bildung und Wissenschaft mit dem Ziel, ihnen alternative Bilder entgegenzusetzen und neue Sichtweisen zu stärken.

Aicha Diallo
„Ich bin eine Lehrende und eine Lernende“

“Ja, darum geht es bei allem, marginalisiertes Wissen und Erzählungen sichtbar zu machen, sich Raum für die Individualität und das Kollektive zu schaffen und sich zugleich über die eigene Positionierung gegenüber den hegemonialen Strukturen und dem Wissenskanon klar zu sein und dabei beweglich zu bleiben.“