Frauenökonomie in der handwerklichen Fischerei

Gemeinhin wird die Fischerei als eine Männerdomäne angesehen. In unserer Vorstellung gehen Männer dem harten Beruf des Fischers nach und schuften auf Fischbooten und Trawlern. Frauen verarbeiten den Fisch zuhause oder verkaufen ihn auf dem Markt. Sie als »Fischerfrauen« zu bezeichnen, führt in die Irre. Das Bild von Aliou Diallao zeigt Frauen bei der Ausfahrt in Benin.

Die aktuelle Veröffentlichung „Frauenökonomie in der handwerklichen Fischerei – Blue Economy und die globalen Küstengemeinschaften“, verfasst für Fair Oceans und Forum Umwelt und Entwicklung, beschreibt die wirtschaftliche und gesellschaftliche Rolle von Frauen in der Fischerei sowie die global auftretenden strukturellen Ungleichheiten, denen sie ausgesetzt sind.

Frauen stellen rund die Hälfte der weltweit in der Fischerei Beschäftigten, insbesondere in der handwerklichen und kleinskaligen Fischerei. Trotzdem arbeiten sie meist in den niedrig bezahlten und arbeitsintensiven Tätigkeiten wie dem Trocknen, Räuchern, Verarbeiten und lokalen Verkauf von Fisch, während Männer häufiger in kapitalintensiven Bereichen mit höheren Gewinnen tätig sind.

Das Einkommen von Frauen in der Fischerei ist deutlich niedriger, ihre soziale Absicherung geringer, und sie haben wenig Mitspracherecht in Entscheidungsprozessen. Diese Benachteiligungen bestehen sowohl in Entwicklungsländern als auch in Industriestaaten. Gründe sind geschlechtsspezifische Rollenbilder, der begrenzte Zugang zu Kapital und Ausrüstung sowie mangelnde rechtliche Gleichstellung.

Frauen sind wirtschaftlich unverzichtbar für die Versorgung von Millionen Menschen mit Eiweiß durch Fischprodukte und leisten einen zentralen Beitrag zur Ernährungssicherheit. Sie spielen zudem eine wichtige Rolle für Nachhaltigkeit, da sie oft stärker auf familiäre und soziale Stabilität achten und langfristig orientierte Entscheidungen treffen

Frauen in der Nähe von Mombasa wiegen den Fisch zum Weiterverkauf auf lokalen Märkten
Foro: Cornelia Wilß

Insgesamt zeigt der Beitrag, dass Frauen in der Fischereiwirtschaft trotz ihrer zentralen Rolle ökonomisch und sozial benachteiligt werden. Daraus ergibt sich die unabdingbare Forderung von Maßnahmen zur Stärkung von Gleichberechtigung, Bildung und ökonomischem Empowerment. Besonders wichtig sind Programme zur Anerkennung ihrer Arbeit, zur finanziellen Unterstützung und zur Beteiligung von Frauen an Entscheidungs- und Managementprozessen im Fischereisektor.

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